Temporäres Soziales Zentrum am JobCenter Neukölln

Notenvergabe und Preisverleihung für „Sacharbeiter des Monats“

Im Rahmen der Berliner Herbstaktionstage „Berlin on Sale – nicht mit uns“ wurde am vergangenen Freitag Morgen (1.10.) von zahlreichen Initiativen und Aktivist_innen ein Temporäres Soziales Zentrum vor dem JobCenter Neukölln errichtet. Den gemeinsamen Rahmen bildeten Redebeiträge und ein gemeinsames Frühstück, außerdem bot die Initiative „Keine/r muss allein zum Amt!“ Begleitungen an und eine Anwältin für Sozialrecht beriet in ämterspezifischen Fragen.

Sacharbeiterbewertung: „Glatte 6“ (Jana S., 42)
Seit Ende August führt die Initiative „Zusammen! Gegen das JobCenter Neukölln“ in regelmäßigen Abständen Sachbearbeiterbewertungen durch, bei der die sogenannten Kunden des JobCenters mal den Spieß umdrehen können: das „Dienstleistungsangebot“ der Sachbearbeiter_innen wird nach Schulnoten bewertet. Dabei fiel der Großteil der Bewertungen negativ aus. Reihenweise wurden die Leistungen des JobCenters mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ bewertet. Jana S., eine der Teilnehmerinnen brachte ihr Urteil für die Schikanen ihrer Sachbearbeiterin auf den Punkt: „Die bekommt eine glatte 6!“ Doch nicht bei allen Erwerbslosen und JobCenter-“Kund_innen“ war das Urteil derart vernichtend. Einige Zweier und sogar ein paar Einsen wurden vergeben – sie blieben die Ausnahme.

Anscheinend gibt der Großteil der Sachbearbeiter_innen den Druck, der durch das interne Controlling des JobCenters entsteht, so gut es nur geht, nach unten zu den „Kunden“ weiter. Bei der Begründung der Bewertungen hat sich herausgestellt, dass die meisten Sachbearbeiter_innen weder die berufliche Qualifikation noch persönliche Bedürfnisse und Interessen berücksichtigen. Vorläufiger Höhepunkt, so berichtete einer der Anwesenden, sei die Verordnung einer „Wut-Therapie“ gewesen – verbunden mit angedrohten Sanktionen bei Nicht-Inanspruchnahme.

„Es muss einen sofortigen Sanktionsstopp geben“, sagte Benjamin Müller von „Zusammen! Gegen das JobCenter Neukölln“. Die Sachbearbeiter_innen sind angehalten, Leistungen zu kürzen und Sanktionen auszusprechen, unabhängig davon wie sich die Erwerbslosen verhielten.

Öffentliche Kür des „Sachbearbeiter des Monats“
An diesem Freitag fand dann schließlich die Kür des „Sachbearbeiter des Monats“ statt: Diesmal wurde insgesamt vier JobCenter-Angestellte der offizielle Controlling-Pokal des Monats verliehen. Von der Polizei und den privaten Sicherheitsdiensten mißtrauisch beäugt, wurden die gekürten von Flashmobs aufgesucht und der Preis überreicht. Als die Polizei am Ort des Geschehens eintraf, hatten sich die Preisrichter_innen aber schon in bester Flashmob-Manier verstreut.

Die Sachbearbeiter_innen waren nicht amüsiert. Wir werten das als Anzeichen dafür, dass unsere Message angekommen ist: Wir schauen euch auf die Finger! Denn ihr habt Spielräume, die ihr nutzen könnt! Auch als Sachbearbeiter_in könnt ihr euch, statt den internen Druck nach unten weiterzugeben, gemeinsam solidarisch verhalten! Schluss mit den Schikanen und Sanktionen!

Das Video zum Aktionstag: http://www.youtube.com/watch?v=rFXu1-lcrd8